»Christliche« Barbarei im Irak

Neujahrsbotschaften gab es viele am 31.12.06. Diejenige der konfessionellen Bibelchristen lautete diesmal: »Brudermord!«

»Barbarisch!« - so urteilten viele, als die Bilder der Hinrichtung von Saddam Hussein um die Welt gingen. Wie Saddam wurden zwei Wochen später auch sein Halbbruder Barsan und sein Ex-Chefrichter Awad gehängt. - Es ist in der Tat barbarisch, einen Menschen zu hängen, gleich was dieser an Untaten auf dem Kerbholz hat. Doch nicht nur das: Es widerspricht auch dem fünften Gebot Gottes: »Du sollst nicht töten!«

Wenn wir davon ausgehen, dass Gott der Vater aller Menschen ist, dann sind alle Menschen Kinder Gottes - und das Aufhängen eines Menschen ist barbarischer Brudermord.

Viele sprechen jetzt von »orientalischen Sitten«. Doch wer hat die Grundlage für diesen Brudermord gelegt? Waren es nicht sogenannte christliche Länder, die in ein fremdes Land eingedrungen sind? Angeblich wollten sie dem Land Frieden und Freiheit bringen. Doch allein 2006 starben im Irak 16.273 Menschen durch Terroranschläge. Wer kann sich dort noch angstfrei bewegen?

Der US-amerikanische Präsident betet gern und viel in der Öffentlichkeit. Und nun lässt er als Regierungschef der Besatzungsmacht zu, dass ein politischer Gegner, der noch dazu früher ein enger Verbündeter seines Landes war, hingerichtet wird. Was hat Christus dazu gesagt? Was lesen wir in der Bibel, die George W. Bush so häufig im Munde führt? Hat Christus vom Brudermord gesprochen?

Jesus sagte: »Liebe Deine Feinde! Tue Gutes denen, die dich hassen!«
Jesus sagte: »Stecke dein Schwert ein. Denn wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen!«
Und Paulus fügte im Galaterbrief hinzu: »Täuscht euch nicht: Gott lässt Seiner nicht spotten. Was der Mensch sät, das wird er ernten!«

Wer also seinen Nächsten, seinen Bruder, umbringt oder umbringen lässt, der wird früher oder später Gleiches oder Ähnliches zu erleiden haben. Deutlicher kann es kaum zum Ausdruck gebracht werden, dass die Hinrichtung eines Menschen mit Christentum nichts zu tun hat. Und alle, die aufhängen, befürworten demnach das Barbarenvolk und seine Anhänger.
Von den konfessionellen Bibelchristen in Europa kam zwar ein gewisses Protestgemurmel, weil man so eine Todessstrafe auch nicht schön findet. Doch wer sprach offen aus: »Das ist unchristlich!«?

Die Vatikankirche verurteilte die Hinrichtung zwar als »tragisch«, weil sie kein Schritt sei, um die irakische Gesellschaft zu versöhnen. Doch nach wie vor wird die Todesstrafe im Katechismus, der seinerzeit von Papst Ratzinger persönlich herausgegeben wurde, nicht grundsätzlich ablehnt.
Und die Lutherkirche? Von ihr war zu diesem Thema kaum etwas zu hören. Vermutlich deshalb, weil ihr Gründer Martin Luther bei fast jeder Gelegenheit die Todessstrafe für seine Gegner und für Andersdenkende forderte: für aufrührerische Bauern, für Juden, für Täufer, für »Hexen«, Prostituierte und Wucherer.

In den konfessionellen Kirchen spricht man gerne von »Brüdern und Schwestern« im Glauben. Man bezeichnet sich unter Hierarchen gegenseitig als »Amtsbruder« der »Schwesterkirche«. Doch gibt es Brüder und Schwestern nur unter Lutheranern und Katholiken? Gibt es die woanders nicht? Ist ein Moslem weniger wert als ein Katholik oder ein Protestant?

Wer so denkt und handelt, der mag sich lutherisch, protestantisch, katholisch oder sonst wie nennen - aber bitte nicht christlich!

Bush: wo ist dein Bruder Saddam? Wo ist dein Bruder Barsan? Wo ist dein Bruder Awad? Wo sind deine Brüder und Schwestern, die im Irak durch die Kugeln und Bomben deiner Soldaten zu Tode kamen?



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