In unserer letzten Ausgabe befassten wir uns mit der modernen Inquisition der Amtskirchen. Rufmord und Verleumdung werden dabei juristisch unanfechtbar, wenn eine Lüge sprachlich geschickt in die Form einer Meinungsäußerung gekleidet wird. Was wir dabei übersehen haben, ist, dass in diesem Fall - nach Meinung von Juristen - die »Lüge« auch nicht als »Lüge« bezeichnet werden darf.
Prompt meldete sich denn auch der im Dunstkreis einer inquisitorischen Zeitung arbeitende Rechtsanwalt Dr. Weberling für den prozessfreudigen Tilman Toepfer von der Main Post und monierte, dass im Zusammenhang mit seinem Mandanten das Wort »Lüge« gebraucht wurde.
DENK MIT zeigte gegenüber dem Rechtsanwalt Einsicht und versprach, seine Leser entsprechend zu informieren. DENK MIT wörtlich: »Wenn in Zukunft von Ihrem Mandanten wieder Unwahres als Meinungsäußerung verpackt wird, werden wir darauf achten, dass unsere Autoren die Unwahrheiten nicht als Lüge bezeichnen, sondern darauf hinweisen, dass es sich um die Unwahrheit in Form einer lügenhaften Meinungsäußerung handelt. Wir hoffen, damit den Interessen Ihres Mandanten und den Interessen des Herrn Dr. Stefan von Holtzbrinck Rechnung zu tragen.« Toepfers Anwalt legte auch Wert auf die Feststellung, dass Toepfer zwei juristische Staatsexamina erfolgreich absolviert hat. Für die Fähigkeit, eine Meinungsäußerung juristisch unangreifbar zu formulieren, ist dies offenbar nicht von Nachteil.
Dass man mit der Wahrheit auch noch anders umgehen kann, bewies Toepfer bald darauf. Diesmal nicht dadurch, dass man die Tatsachen durch Formulierung von Meinungen umschifft, sondern indem man sie dem Leser einfach verschweigt. Entweder vollständig, wie im Fall der größten Osterdemo Deutschlands in Würzburg (s. S. 2) oder teilweise, wie im Fall einer Versammlung von Grundeigentümern einer kleinen Gemeinde bei Würzburg.
Ein Teilnehmer an beiden Veranstaltungen wunderte sich: »Es ist erstaunlich, wie sich unseriöser Journalismus in einem Blatt aus dem Haus des Dr. Stefan von Holtzbrinck durchzusetzen scheint. Es wäre schade, wenn dies auch beim renommierten Handelsblatt aus dem gleichen Hause Schule machen sollte.«
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