Kirche: Verbrechen an Kindern

Wie steht es um die Moral der Priester? 



Die Meldungen der letzten Wochen über kirchliche Sex-Skandale und Verbrechen an Kindern überschlagen sich:

Skandal Nr. 1:
Die katholische Kirche in Los Angeles hat über Jahrzehnte hinweg Priester trotz massiver Vorwürfe geschützt. Akten belegen Hunderte von sexuellen Übergriffen auf Kinder in der Kirche seit den 60er Jahren. Die Kirchenmänner waren auch Jahrzehnte nach Bekanntwerden der Anschuldigungen noch in Amt und Würden und hatten Umgang mit Kindern.

Skandal Nr. 2:
Eine Frau aus Belgien erhält erst nach einem halben Jahrhundert endlich Entschädigung: Als Kind war sie von einem Priester vergewaltigt und anschließend in eine brutale kirchliche Anstalt gesteckt worden - der pädophile Priester dagegen durfte weiter predigen, bis er mit 92 Jahren starb.

Skandal Nr. 3:
Der Staatsanwalt von Cordoba wirft einem pädophilen Priester Sex mit einem 14jährigen Mädchen vor. Vor Gericht gab der Kirchenmann zu Protokoll, dass er seit seinem 11. Lebensjahr eine »mentale Schwäche für weibliche und männliche Hinterteile« habe. Er habe das Mädchen »aus Spaß« aufs Bett geworfen.

Kardinal Law: Alleine in seiner Diozöse klagten 450 Opfer von Sexualverbrechen durch Priester. Der Schein heiligt die Mittel...



Kardinal Law (Foto oben) vertuschte Sexualverbrechen an Kindern: Eigentlich müsste der Ex-Bostoner Kardinal Bernard Law vollkommen von der Bildfläche der Medien verschwunden sein. Schließlich ist sein peinlicher Rücktritt vor 3 Jahren (2002) als Oberhirte der Erzdiözese Boston noch vielen im Gedächtnis. Im Zusammenhang mit den landesweiten Pädophilie-Skandalen, die allein in seiner Diözese 450 Kläger auf den Plan riefen, war Law nachgewiesen worden, dass er etliche Fälle von Kindesmisshandlung durch seine Priester vertuscht hatte, indem er die betreffenden Prälaten einfach in neue Pfarreien versetzte, wo diese dann weiter ihr Unwesen treiben konnten. Law musste zurücktreten.

Doch im Mai 2004 wurde er zum Erzpriester der römischen Basilika Santa Maria Maggiore ernannt und siedelte fröhlich nach Rom über. Taktvollerweise ließ man Law dann in seiner neuen Funktion ungeniert am 11. April 2005 eine der Totenmessen im Petersdom für den verstorbenen Papst zelebrieren. - Eine nette Geste gegenüber den Missbrauchsopfern, die vergeblich dagegen demonstrierten...

Kirche in Los Angeles deckte Sexualverbrechen

an Kindern

Über Jahrzehnte hinweg hat die Vatikan-Kirche in Los Angeles Priester gedeckt, trotz massiver Vorwürfe wegen Verbrechen an Kindern. Jetzt veröffentlichte Akten belegen Hunderte von sexuellen Übergriffen auf Kinder in der Kirche seit den 60er Jahren. Den pädophilen Kirchenmännern sei bis in die 80er Jahre auch nach Bekanntwerden der Anschuldigungen der Umgang mit Kindern in den Gemeinden erlaubt worden. (Main-Echo, 13.10.05)

Staatsanwalt wirft Priester Sex mit 14jähriger vor

Der 63-jährige Priester von Cordoba hatte 2004 an das 14jährige Mädchen extrem vulgäre SMS geschickt und Telefonate voller Anzüglichkeiten geführt. Vor Gericht gab der Priester zu Protokoll, dass er seit seinem 11. Lebensjahr eine »mentale Schwäche für weibliche und männliche Hinterteile« habe. Als Zeugin trat vor Gericht eine Polizistin auf, die sich im Januar 2004 im Zimmer des Mädchens versteckt hatte. Als der Priester dem Mädchen nahe gekommen war, hatte die Polizistin ihn auf der Stelle verhaftet. Unklar blieb, was damals genau geschehen war: Das Mädchen sagt, der Priester habe sie auf den Mund küssen wollen. Der Kirchenmann sagt, er habe das Mädchen auf die Stirn geküsst und aus Spaß aufs Bett geworfen.
(Basler Zeitung, 20.10.05)

Priester stirbt bei Sex mit Pferd

Sodomie: Priester Gerald Pointer (48) ließ sich in einem Stall bei Seattle (USA) von einem Hengst besteigen. Der Kirchenmann erlitt dabei einen Dickdarmriss und starb an den Folgen.
(Quelle: BILD, 24.10.05)

Vor 55 Jahren vom Priester vergewaltigt

- Jetzt entschädigt

Ein halbes Jahrhundert nach dem Verbrechen soll Eva Dubuisson aus Gent (Belgien) 50.000 Euro Entschädigung erhalten: Sie war als Kind von einem Priester vergewaltigt worden. Doch nicht etwa der Priester wurde aus dem Verkehr gezogen, sondern das Mädchen: Eva kam in eine von Nonnen geleitete Besserungsanstalt. Sie musste nähen, putzen, beten und sogar eine Nacht im Keller verbringen, weil sie sich getraut hatte zu fragen, warum man sie gefangen hielt. Die Antwort fand Eva Dubuisson erst Jahre später in den Archiven des Genter Justizpalastes. Die Kirche trieb die Angst, dass in einem richtigen Prozess der Skandal ans Licht gekommen wäre. Aus einem anderen Dokument ging hervor, dass der Priester 40 Tage lang in Untersuchungshaft genommen worden war. Später wurde er versetzt. Der Pädophile predigte, bis er mit 92 Jahren starb.
(Spiegel online, 21.11.05)

Deutschland: 25.000 Euro für Sex-Verbrechen

an Ministranten

Die Vatikan-Kirche in Deutschland hat erstmals dem Opfer eines Sexual-Verbrechens eine Entschädigung gezahlt. Dies berichtet DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 49/2005. Das Bistum Magdeburg habe einem ehemaligen Ministranten eine Entschädigung in Höhe von 25.000 Euro überwiesen - vierzig Jahre nachdem sich ein Priester an dem kleinen Jungen verging. Norbert D. war neun Jahre alt und stolz darauf gewesen, endlich Messdiener in der Kirche »Unbefleckte Empfängnis Mariens« nahe Leipzig zu sein. Nach dem Gottesdienst nahm ihn Pfarrer Alfons Kamphusmann mit ins Pfarrhaus und verging sich an ihm. Bei diesem einen Mal sollte es nicht bleiben: Denefs Martyrium in der Pfarrwohnung erstreckte sich über sieben Jahre, von 1958 bis 1964. Er konnte mit niemandem reden. Der Pfarrer war ein Freund seiner Familie. »Auch in der Schule fragte keiner nach, obwohl Norbert oft zu spät kam. Das war an Tagen, an denen er in der Frühmesse ministrierte und sich vor Angst in die Hosen machte.«

Als Erwachsener bekam Norbert D. schwere Depressionen, chronische Schlafstörungen, Heulkrämpfe und plötzliche Angstschweißausbrüche. Er musste in eine Klinik. Auch dort erzählte er anfänglich nichts, begann jedoch, Bücher über Missbrauch zu studieren. Langsam begriff er, was ihm angetan worden war.

Doch bis zum Zeitpunkt der Entschädigungszahlung sollten noch Jahre vergehen, in denen sich das Opfer an Pfarrer und Bistümer wandte. 25.000 Euro hat er erhalten. Für die Kosten psychologischer Therapien für sich und seine Familie hatte Norbert D. 122.850 Euro berechnet...
(Spiegel 49/2005)

15.000 Iren: Entschädigung für Missbrauch



Dublin (AFP) - In Irland sind gut 15.000 Menschen einem Aufruf der Regierung gefolgt, für erlittene Misshandlungen in zumeist kirchlich geführten Kinderheimen Entschädigung zu beantragen. Bis zum Ende der Meldefrist am Donnerstag seien 14.768 Anträge bei dem eigens eingerichteten Entschädigungsausschuss für Heimbewohner (RIRB) eingegangen, teilte das Gremium auf seiner Website mit. Die Summe der Entschädigungen, für die der Staat aufkommen muss, könne bei über einer Milliarde Euro liegen.

In einem umstrittenen Abkommen zwischen irischem Staat und katholischer Kirche wurden die von der Kirche zu leistenden Entschädigungen auf maximal 128 Millionen Euro festgesetzt. Was darüber hinaus geht, muss aus Steuergeldern bezahlt werden.

Die Antragsteller machen geltend, sie seien als Kinder in staatlich gegründeten, zumeist unter Leitung der katholischen Kirche stehenden Einrichtungen misshandelt worden. Dabei handelte es sich um sexuellen Missbrauch und andere körperliche Misshandlungen sowie um seelische Qualen. Die Taten reichen zurück bis in die 30er Jahre.

Parallel zum Entschädigungsprogramm der Regierung ermittelt die Justiz in dem weit reichenden Missbrauchsskandal, der in dem tief katholischen Land große Bestürzung ausgelöst hatte. Nach Darstellung von Klägern kam es in Kinder- und Waisenheimen, Internaten und Kinderkrankenhäusern in der Obhut der Kirche in früheren Jahrzehnten zu häufigen Übergriffen durch Geistliche und andere Angestellte der Kirche.

Quelle: Yahoo-Nachrichten, 17.12.2005

Ist das jetzt das Ende der Kirche?

BILD titelte: »Nach zahlreichen Sex-Skandalen in Priesterseminaren und Diozösen hat Benedikt XVI. ein Geheimpapier ausarbeiten lassen. Thema: der Keuschheitskodex«. - Was war geschehen?

Benedikt XVI.: Geheimpapier gegen schwule Priester

Die Kirche wolle keine Männer mehr zu Priestern weihen, wenn sie öffentlich ihre Homosexualität ausleben...
(BILD, 8.10.05)
Nach Schätzungen liegt der Anteil von Homosexuellen unter Priestern in Industrienationen bei nahezu 50 % - in einer normalen Gesellschaft liegt der Anteil bei etwa 10%.
(Hamburger Abendblatt, 10.4.01)

Bald keine Priester mehr?

Die Kirche klagt seit Jahren über akuten Priestermangel - wenn sie jetzt keine Homosexuellen mehr nehmen, wird dieser Beruf wohl bald ausgestorben sein... Aber man muss ja genau lesen: Es geht in dem Papier von Papst Benedikt nur um die Priester, die ihre Homosexualität »öffentlich« ausleben. Sex-Orgien in Priesterseminaren und Kinderschän- dungen in Beichtstühlen oder auf kirchlichen Freizeiten sind schließlich nicht öffentlich...

An die Öffentlichkeit gelangt ohnehin nur die Spitze des Eisbergs: Im April 2005 ging unter dem Titel »Pope 'obstructed' Sex abuse inquiry« ein Bericht durch die englische Presse, wonach der jetzige Papst als Vorsitzender der Glaubenskongregation in einem vertraulichen Brief jeden katholischen Bischof dazu aufgefordert haben soll, Untersuchungen gegen Kinderschänder unter Verschluss zu halten, und zwar bis zum Ablauf von 10 Jahren nach Volljährigkeit der Missbrauchsopfer. Der Anteil pädophiler Priester wird in Deutschland auf 3-5% geschätzt.
(Quelle: Akte 97, 14.9.1999)


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Hubschrauber gegen Menschen oder Tiere?
23.11.2005: Neue Anschläge