Würzburg, 23.12.06: Unter dem – ironisch gemeinten – Motto „Sternstunden der Verfassung“ demonstrierten am Samstag Mittag mehr als 600 Bürger, in ihrer Mehrheit Angehörige der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben, gegen die „Diskriminierung einer religiösen Minderheit durch Behörden und Justiz“.
Anlass für den Demonstrationszug, der sich schweigend durch die vorweihnachtliche Würzburger Innenstadt bewegte, waren zwei Prozesse, die im Monat Dezember vor Würzburger Gerichten verhandelt wurden.
Am 7.12 hatte das Verwaltungsgericht Würzburg einen Antrag urchristlicher Landwirte abgelehnt, in ihrem Eigenjagdrevier die Jagd ruhen lassen zu dürfen. Zwei der verhandelnden drei Berufsrichter, die Richter Schaefer und Gehrsitz, waren, wie sich herausstellte, selbst Jäger, was zu Protesten und zum Auszug der Kläger aus dem Gerichtssaal führte.
Am 14.12. war ein 50-jähriger Buchautor und Journalist, der ebenfalls der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben nahe steht, vor dem Amtsgericht Würzburg zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt worden, weil er angeblich die Lutherkirche beleidigt haben soll. Sein Anwalt, Dr. Christian Sailer, hatte das Urteil als „Fehlurteil mit skandalöser Begründung“ bezeichnet und umgehende Berufung angekündigt. Während die Justiz in Deutschland kirchlichen „Sektenbeauftragten“, vom Angeklagten als „Verleumdungsbeauftragte“ bezeichnet, eine fast unbegrenzte Verleumdungsfreiheit einräume, würden Bürger, die sich mit nachprüfbaren Tatsachen dagegen zur Wehr setzen, von der Justiz entgegen der sonst üblichen Rechtssprechung gemaßregelt.
Die Passanten der Würzburger Innenstadt wurden mit einer kostenlosen Broschüre mit dem Titel „Wie in Würzburg das Recht verbogen wird“ über diese beiden Gerichtsverfahren informiert.
Mit zahlreichen Transparenten und Schildern äußerten die Demonstranten ihren Unmut über eine „geistlich verwirrte“ Justiz. Sie forderten den Würzburger Staatsanwalt Dr. Dietrich Geuder, der Anklage gegen den urchristlichen Kirchenkritiker erhoben hatte, auf, statt dessen gegen die Lutherkirche und deren Bibel einzuschreiten, die zahlreiche antisemitische Äußerungen enthielte. Straßen, die nach dem „Antisemiten“ Martin Luther benannt sind, sollten umbenannt werden. Sie zogen Vergleiche mit der Inquisition („Verurteilt unter dem Inquisitionskreuz des Amtsgerichts Würzburg“) und prangerten die „Parteilichkeit“ bestimmter Richter an: „Heute schieß ich, morgen schlacht ich, übermorgen erschieß ich der Rehmuter ihr Kind. Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Jäger Richter heiß!“ Auf einem Transparent wurde Landessbischof Friedrich vorgeworfen, seinen „Verunglimpfer vom Dienst“, Pfarrer Wolfgang Behnk, „moderne Inquisition“ betreiben zu lassen. Man wolle jedoch keine „Hassprediger gegen Minderheiten“ in Deutschland. Wer über die Lutherkirche die Wahrheit sage, beispielsweise über deren antisemitische Vergangenheit, der werde verurteilt, was zu der Frage Anlass gebe: „Gelten in Würzburg die Grundrechte oder die Filz-Spielregeln“?
Im Strafverfahren vor dem Amtsgericht hatte Richter Dr. Stühler sich „befremdet“ gezeigt, weil die Verteidigung das Verfahren zu einer Grundsatzentscheidung über die Religionsfreiheit „hochstilisiert“ habe. Anwalt Dr. Sailer hatte den Richter daraufhin nachträglich wegen Befangenheit abgelehnt – denn ein Richter, der über die Berufung auf ein Grundrecht der Verfassung “befremdet“ sei, könne nicht objektiv urteilen.
Auf anderen Transparenten machten die Teilnehmer die Kirchen und die Gerichte für die „Störung des Weihnachtsfriedens“ verantwortlich – den sie im übrigen selbst einhielten, indem sie auf Sprechchöre verzichteten und während des friedlichen Zuges besinnliche Weihnachtsmusik spielten. Am Ende gab es für die Passanten am Hauptbahnhof alkoholfreien Punsch – und die auf einem Schild geäußerte Hoffnung: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... Wann geht Richtern und Jägern ein Licht auf?“
Die kostenlose Broschüre „Wie in Würzburg das Recht verbogen wird, kann angefordert werden unter www.freie-christen.com
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