Ein neues Bild zeigte sich im Januar diesen Jahres, als der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner die Karnevalisten zum ersten Mal anlässlich der Sessioneröffnung in den Kölner Dom zum Festgottesdienst einlud. Kostümiert durfte dieses Mal nämlich nicht nur der Kardinal mit seinen Messdienern erscheinen, sondern es war ausdrücklich erwünscht, dass auch die Karnevalisten in ihren traditionellen Kostümen zum Gottesdienst kommen. Nur die Funkenmariechen mussten zum kurzen Rock auch lange Stiefel tragen. Meisner eröffnete seine Predigt - oder war es vielleicht eine Büttenrede? - mit den Worten: »Karneval ist in der Kirche Christi geboren, und Karneval bleibt nur Karneval, wenn er mit dem Kirchenjahr und damit mit dem Leben der Kirche selbst fest verbunden bleibt.« Meisner erklärte auch: »Von seinem Wesen her ist der Karneval mit dem Evangelium Christi blutsverwandt«. Die Blutsverwandtschaft von Karneval und Christus war der Redaktion von DENK MIT bisher entgangen. Doch wenn dies die Wahrheit wäre, dann müsste sich doch in der Kirchenbibel - nach Auffassung der Kirchen reines Gotteswort - etwas darüber finden lassen. Sofort begannen wir unsere Recherche am PC und durchsuchten nicht nur die Evangelien sondern die ganze Bibel nach dem Begriff »Karneval«. Ergebnis: Keine Übereinstimmung! Vielleicht klappt es ja mit »Fasching«, oder »Fastnacht«, doch auch diese Begriffe waren in der Bibel nicht zu finden. So schnell wollte sich die Redaktion jedoch nicht geschlagen geben, keine Mühen wurden gescheut und flugs begonnen die Bibel von Hand zu durchforsten, doch auch über diesen Weg war beim besten Willen kein Zusammenhang zwischen Jesus und dem Karneval herzustellen. Woher kommt der Karneval? Im »Kleinen Brockhaus« wird man an dieser Stelle auf Fastnacht verwiesen und dort heißt es u.a. »Die Fastnachtsbräuche sind vielfach Frühlingsbräuche aus vorchristl. Zeit«. Hat die Kirche beim Karneval also wieder einmal heidnisches Brauchtum übernommen, das mit Jesus, dem Christus, nichts zu tun hat? Wer die Kirche kennt, der wundert sich darüber nicht, denn schließlich ist die ganze katholische Kirche mit ihren bunt kostümierten Priestern, ihrem Jungfrauenglauben, ihrer Dreifaltigkeit, dem Totenkult und der magischen Zauberei durch und durch heidnisch - nicht christlich!
Die Kardinäle: Götter dieser Welt
Meisner ist ja nicht der einzige kirchliche »Faschingsprinz«, der vermutlich Dank dieser Aktion nun auch als Ehrenmitglied ins Corps aufgenommen wurde und damit seinem Kollegen, Kardinal Lehmann, nachfolgt, der schließlich bereits zum zweiten Mal eine Faschingsehrung erhielt: Im letzten Jahr wurde Lehmann zum »Ritter wider den tierischen Ernst« geschlagen und heuer bekam er den »Mainzer Ranzengardisten«.
Da Jesus, der Christus, weder den Karneval ins Leben rief, noch Kardinäle oder Priester einsetzte, können Meisner und Lehmann eigentlich nur Götter dieser Welt sein, die sich - im Gegensatz zum karnevalistischen »Dreigestirn« - nicht nur zur Fasenacht, sondern das ganze Jahr verkleiden und bejubeln lassen. Wenn Gott den ganzen Firlefanz der Kirchen braucht, dann möchte ich nicht in den Himmel zu diesem Gott. Das ist ein Kultgott, ein wandelbarer Gott nach dem Bild der Menschen: heute Hüh und morgen Hott.
Urchristen haben nichts gegen die katholische Kirche. Doch wenn diese den Namen Christi und den Namen Gottes für ihr durch und durch heidnisches Treiben missbraucht, dann muss man sich von der Vatikan-Kirche distanzieren, um dadurch Jesus von Nazareth zu rehabilitieren!
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