Kinderschänder-Skandal in den USA

Kardinalstugenden das Vatikans

Eigentlich müsste der Ex- Bostoner Kardinal Bernard Law vollkommen von der Bildfläche der Medien verschwunden sein. Schließlich ist sein peinlicher Rücktritt vor drei Jahren als Oberhirte der Erzdiözese Boston noch vielen im Gedächtnis. Im Zusammenhang mit landesweiten Pädophilie-Skandalen, die allein in seiner Diözese 450 Kläger auf den Plan rief, war Law nachgewiesen worden, dass er etliche Fälle von Kindesmisshandlung durch seine Priester vertuscht hatte, indem er die betreffenden Prälaten einfach in neue Pfarreien versetzte, wo diese dann weiter ihr Unwesen treiben konnten.


Kardinal Law vertuschte im großen Stil...

Kardinal Law: Alleine in seiner Diozöse klagten 450 Opfer von Sexualverbrechen durch Priester. Der Schein heiligt die Mittel...


Sexualverbrechen an Kindern durch Priester

Der bislang spektakulärste Fall war John Geoghan. Dieser »Gottesmann« hatte sich in seiner Priesterlaufbahn zwischen 1962 und 1998 an mindestens 150 Jungen vergangen. Auch er wurde schlicht von einer Pfarrei zur nächsten versetzt. Die erdrückende Faktenlage zwang Kardinal Law schlussendlich zum Rücktritt.

Wer nun aber hinter einem solchen Rücktritt die moralische Hand des Vatikans vermutet, liegt daneben. Probleme werden bei der Kurie bekanntlich gelöst, indem man sie verlagert. So nahm man Law lediglich aus der Schusslinie der amerikanischen Presse. Im Mai 2004 wurde er zum Erzpriester der römischen Basilika Santa Maria Maggiore ernannt und siedelte fröhlich nach Rom über.

Kardinal Law:
Totenmesse für Papst Johannes Paul II.
- die Missbrauchsopfer demonstrierten draußen


Es handelt sich bei dieser Basilika immerhin um die wichtigste Marienkirche der Katholiken. Taktvollerweise ließ man Law dann in seiner neuen Funktion ungeniert am 11. April 2005 eine der Totenmessen im Petersdom für den verstorbenen Papst zelebrieren. Eine nette Geste gegenüber den Missbrauchsopfern, die vergeblich dagegen demonstrierten. Es wird die Gemüter der betroffenen Kinder auch sicherlich beruhigt haben, dass Law einer der erlauchten 115 Kardinäle war, welche die aktuelle Papstwahl eine Woche später bestritten. Am 7. Mai stattete ihm dann der frischgebackene Papst Benedikt XVl gleich einen Besuch in seiner Basilika ab und betete andächtig vor laufenden Kameras zu einer Ikone der Jungfräulichkeit, während Law ebenfalls seine Schärpe in die Linsen hielt.

USA:
4392 Priester der Sexualverbrechen an Minderjährigen beschuldigt


Es muss allerdings eingeräumt werden, dass Law sich bei seinen Vertuschungsversuchen immer loyal zum Vatikan verhielt. Schließlich war schon 1962 in einem geheimen Rundschreiben des Vatikans dem Klerus strikt verboten worden, im Falle sexueller Übergriffe durch Priester diese der Öffentlichkeit mitzuteilen. Dieses Dekret mit dem Titel »Crimine Solicitationes« war von der damaligen Heiligen Uffiz, Vörgänger der heutigen Kongregation für den Glauben, verfasst worden. Damals war Bernhard Law noch Priester in Natchez-Jackson in den Südstaaten der USA. Freilich wurde es für den amerikanischen Klerus im Verlauf der Jahre immer schwieriger der päpstlichen Aufforderung nach-zukommen, da die Zahl klerikaler Kinderschänder ins Uferlose wuchs: Laut einer Erhebung im Februar 2004, die im Auftrag der Amerikanischen Bischofskonferenz erstellt wurde, sind in den vergangenen 50 Jahren 4392 Priester in den USA des Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt worden. In diesem Zeitraum gingen bei den 195 US-Diözesen 10667 Klagen ein. 81 Prozent der Opfer waren männlich und 6 Prozent aller Opfer jünger als sieben Jahre. Halleluja!

Wie dem auch sei, der Stuhl Petri erstaunt immer wieder durch seinen kreativen Umgang mit den eigenen Kardinalsfehlern. Die Erläuterung des Begriffes »Kardinalstugenden« bedarf hingegen wohl im neuen Duden einer dezenten Korrektur.


Statt Rücktritt: Der Skandal-Kardinal durfte sogar bei der Papst-Wahl von Joseph Ratzinger mitwählen - die Opfer der Sexualverbrechen protestierten vergeblich


Hintergrund

Die Erzdiözese Boston des Kardinal Law wurde verurteilt, 85 Millionen Dollar Entschädigung an Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zu zahlen. Um die Kosten zu decken, will die Erzdiözese 64 ihrer 357 Kirchen an Privatleute verkaufen...  

Noch ein Bistum: Kirchenverkauf

Entschädigung für Opfer von Sexualverbrechen

Ein katholisches Bistum in der kanadischen Provinz Neufundland will alle Kirchen verkaufen, um die Opfer eines wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Priesters zu entschädigen. Der Priester Kevin Bennet war in den neunziger Jahren wegen hunderter sexueller Übergriffe verurteilt worden. Durch den Kirchenverkauf sollen 10,5 Millionen Dollar zusammen kommen.


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