Der Papst als »Endzeitfanatiker«

Jahrzehntenlang haben die Kirchen Menschen, die vor der Bedrohung der Umwelt gewarnt haben, als »Endzeitfanatiker« diffamiert. Nun gibt sich der Papst selbst als großer Umweltschützer. Wie das?


Jahrzehntelang ging der Vatikan gegen Menschen vor, die vor einer drohenden Klimakatastrophe warnten - jetzt, wo die Katastrophe vor der Tür steht, hängt sich Papst Ratzinger schnell ein grünes Mäntelchen um...


Im italienischen Marienwallfahrtsort Loreto warnte der Papst vor 300.000 Jugendlichen vor dem Klimawandel und der zunehmenden Umweltzerstörung und rief zur Rettung des Planeten auf: »Den neuen Generationen ist die Zukunft des Planeten anvertraut, auf dem es deutliche Zeichen für eine Entwicklung gibt, die die delikaten Gleichgewichte der Natur nicht immer zu schützen wusste«, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Mutige Entscheidungen müssten getroffen werden, um ein starkes Bündnis zwischen den Menschen und der Erde zu schaffen, bevor es dafür zu spät sei.

Bei der Eucharistiefeier rief Ratzinger die Jugendlichen auch dazu auf, sich nicht zu sehr von den Massenmedien beeinflussen zu lassen. »Seid wachsam! Seid kritisch! Lauft nicht einfach der Welle hinterher, die von dieser mächtigen Überredungs-Maschinerie produziert wird«, forderte der Papst die Jugendlichen auf.

Ein Aufruf zur Wachsamkeit und Kritikfähigkeit ist angesichts dieser Papstrede tatsächlich angebracht. Wachsame und kritikfähige Jugendliche könnten damit gleich an dem Ort beginnen, an dem sie sich trafen. Denn der Wallfahrtsort Loreto weist eine der skurrilsten Lügenmärchen auf (siehe Kasten unten), die die »mächtige Überredungs-Maschinerie« Vatikankirche in ihrer jahrhundertelangen Massenmanipulation je hervorgebracht hat. Und das will etwas heißen.

Und wie sieht es mit dem grünen Gewand aus, das sich der Verwandlungskünstler Ratzinger in Loreto überzog? Ist er jetzt ein »Grüner«?


Jahrzehntelang verunglimpfte die Kirche die warnenden Stimmen

Gerade in den letzten Jahrzehnten trug die Vatikankirche zur Umweltdiskussion nicht nur nichts Positives bei; sie verunglimpfte, gemeinsam mit der Lutherkirche, Menschen, die vor einer drohenden Klimakatastrophe warnten, als »gefährliche Sektierer« und »Endzeitfanatiker«. (näheres hierzu: »Der Schattenwelt neue Kleider - die Inquisition der Jetztzeit - Klimawandel: Gott hat rechtzeitig gewarnt« - siehe S. 3)

Heute gebärdet sich der Papst selbst wie ein solcher »Endzeitfanatiker« und warnt vor dem drohenden Untergang der Erde. Dabei geht nicht der Planet Erde unter, sondern allenfalls Teile der Welt, die sich der Mensch darauf aufgebaut hat. Diese Welt ist tatsächlich vom Untergang bedroht, soweit sie sich noch immer von der »Überredungsmaschinerie Kirche« verdummen lässt, von der hierarchischen Diktatur der Papstkirche.


Nun steht weltweite Klimakatastrophe vor der Tür


Vielleicht hat Joseph Ratzinger ja tatsächlich ein wenig Angst bekommen angesichts all der Anzeichen einer weltweiten Klimakatastrophe, deren Ankündigung man zuvor meist als »Schüren apokalyptischer Ängste« abgetan hat. Vielleicht glaubt er auch, in einem Rettungsboot zu sitzen, das Erde heißt: Seiner Vatikankirche, die seit fast 2000 Jahren Menschen und Seelen in weiten Teilen der Welt steuert und beherrscht, wird schon nichts passieren. »Bisher ist noch immer alles irgendwie gut gegangen. Bisher haben uns die Menschen die Lügenmärchen noch immer abgenommen, mit denen wir sie in Angst und Abhängigkeit gehalten haben.« So könnten seine Gedanken sein.

Doch womöglich ahnt Joseph Ratzinger gar, dass es diesmal nicht glatt gehen könnte, dass seine Machtkirche, die seine Vorgänger auf den Gebeinen von Millionen Opfern aufgebaut haben, diesmal auf ein Ende mit Schrecken hinsteuert, das sie untergehen wird mit all ihren Lügen.


Jahrhundertelang die Menschen belogen

Denn wie haben die Kleriker die Menschheit nicht belogen über all die Jahrhunderte hinweg bis heute? Sie redeten den Menschen ein, dass Jesus, der Freiheitsdenker, eine Kirche gegründet und eine Priesterhierarchie eingesetzt habe. Sie wählten aus den vielen vorhandenen Zeugnissen über Jesus willkürlich einige aus, erklärten sie zum verbindlichen Gotteswort - und ließen sie von Hieronymus zu einer kirchlichen Einheitsversion zurechtbiegen. Sie »erfanden« die »Konstantinische Schenkung«, eine der dreistesten und folgenreichsten Fälschungen der Geschichte, um sich einen eigenen »Kirchenstaat«zusammenzurauben, der mehr als 1000 Jahre Bestand hatte. Sie führten die Worte des Nazareners im Munde und taten doch meist das Gegenteil davon. Sie sprachen von »Frieden« und gehörten zu den größten Kriegstreibern der Geschichte. Sie bezeichneten sich als »allumfassend« (kathólikos) und brachten unzählige Menschen um, die nicht auf ihrer Linie waren. Sie gaben vor, dem Hitlerregime widerstanden zu haben - doch in Wahrheit hatten sie die Soldaten bis zum bitteren Ende dazu aufgerufen, einem verbrecherischen Regime zu dienen. Und verhalfen anschließend zahllosen Kriegsverbrechern dieses Regimes zur Flucht.
Und heute? Heute verkünden die Vertreter der Kirche »null Toleranz« gegenüber den Sexualverbrechern in den eigenen Reihen - und versetzen (wie zuletzt im Bistum Regensburg) die angeblich »Geheilten« doch immer wieder von Pfarrei zu Pfarrei, auf dass sie weiter ihr Unwesen treiben können.


»Ziehet aus von ihr, Mein Volk...«


Könige, Politiker, Militärs, ja ganze Völker konnte man mit päpstlichem Geschick immer wieder täuschen und manipulieren. Doch die malträtierte Erde, die jetzt in ihrer Verzweiflung »zurückschlägt«, hat niemand im Griff. Auch die Päpste nicht, die sich noch im vorigen Jahrhundert als »Lenker des Erdkreises« krönen ließen. Wenn nun die Welt untergeht, deren Lenker sie zu sein vorgaben - weshalb haben sie dann nicht die Macht, die Erde zu retten? War auch dies, wie so vieles andere, eine Lüge? Und wem gehört man an, wenn man die Menschheit belügt? Christus und dem himmlischen Vater - oder dem Widersacher Gottes?

Vielleicht spürt der Papst, dass sich immer mehr Menschen solche Fragen stellen. Und in seiner unterschwelligen Panik gibt er den Rat::»Schwimmt gegen den Strom! ... Seid wachsam! Seid kritisch! Schwimmt nicht mit auf der Welle, die von dieser Überzeugungsmaschinerie angetrieben wird!«

Wer diesen Rat befolgt, könnte zugleich den Rat des Sehers von Patmos umsetzen: »Ziehet aus von ihr, Mein Volk, auf dass ihr nicht mitschuldig werdet an ihren Sünden und nichts empfanget von ihren Plagen!« (Off 18,4)


Loreto - Ein himmlisches Umzugsunternehmen

In Loreto kann man die »Casa santa« besuchen. Und dort erfahren, dass man sich angeblich mitten in dem Haus befindet, in dem Maria vom Engel Gabriel die frohe Nachricht erhielt, dass sie die Mutter des Erlösers werden sollte.

Man staunt etwas: Ein solches Haus, wenn es denn tatsächlich noch existieren sollte, müsste eigentlich in Nazareth stehen, einige tausend Kilometer entfernt. Doch man wird aufgeklärt: Engel haben es hertransportiert! Und zwar genau am 10. Dezember 1294!
Allerdings nicht direkt aus Nazareth, auch himmlische Transportunternehmer machen bisweilen Umwege: Nein, aus Tersato bei Rijeka in Kroatien. Dort hatten sie das Haus drei Jahre zuvor schon mal »zwischengelagert«. Und auch in Loreto wurde es dann noch zweimal um einige Schritte verrückt - auf so große Entfernungen lässt vielleicht doch die Zielgenauigkeit etwas nach.

Und ausgerechnet an einem solchen Ort fordert uns Papst Ratzinger dazu auf, »kritisch« und »wachsam« zu sein, und nicht alles zu glauben, was uns vorgesetzt wird ... »Wohlan denn Herz«, sprach Hermann Hesse, »nimm Abschied und gesunde!« 

(C) 2005 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken